Pressemitteilung Sprechen statt Schreiben: Entlastungspotenzial für die Pflege
Berlin, 20. April 2026
Die wissenschaftliche Analyse des Kompetenzzentrums Digitalisierung und Pflege zur sprachgestützten Pflegedokumentation zeigt Chancen für Qualität, Struktur und Effizienz und nennt Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung.
Sprachgestützte Dokumentationssysteme können Pflegekräfte unterstützen, wenn bestimmte technische und organisatorische Voraussetzungen erfüllt sind: Eine aktuelle Analyse des Kompetenzzentrums Digitalisierung und Pflege zeigt, dass die Systeme das Potenzial haben, die Pflegedokumentation verständlicher und vollständiger zu gestalten. Durch eine bessere Einbettung in pflegerische Abläufe können Doppelstrukturen vermieden und Pflegende so auch zeitlich entlastet werden.
Die Dokumentation der Pflege ist zentral für die Nachweispflicht und die Qualitätssicherung, wird jedoch häufig als aufwendig beschrieben. Neue digitale Systeme müssen daher den hohen fachlichen Standards der Dokumentation gerecht werden und Verbesserungen im Arbeitsalltag ermöglichen. Ob und wie sprachgestützte Dokumentationssysteme diesen Anspruch erfüllen können, stand im Fokus der Analyse des Kompetenzzentrums. Der nun veröffentlichte Bericht liefert vielversprechende Hinweise.
Wissenschaftlicher Überblick
Die Untersuchung beruht auf einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit zu Erkenntnissen aus internationalen Studien, Forschungsprojekten und Praxisberichten. Betrachtet wurden die Nutzungserfahrungen, Potenziale, Hürden und Gelingensfaktoren auf Ebene der Technologie, ohne Bewertung einzelner Hersteller oder konkreter Anwendungen. Die Studie berücksichtigt außerdem methodische Einschränkungen der vorliegenden Quellen, wie etwa unterschiedliche Versorgungssettings, teils begrenzte quantitative Daten und Ergebnisse aus internationalen oder simulierten Kontexten, die nicht unmittelbar auf die deutsche Langzeitpflege übertragbar sind.
Potenziale und Gelingensfaktoren
Selbst unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen zeigen sich klare Chancen der Technologie. So berichteten von den untersuchten Quellen über 90 Prozent von Zeiteinsparungen, die allerdings je nach Setting stark variierten. Über ein Drittel verzeichnete eine Verbesserung der Dokumentationsqualität mit verständlicheren, vollständigeren und detaillierteren Einträgen. Diese Potenziale entfalten sich im Zusammenspiel einer verlässlichen technischen Infrastruktur und organisatorischen Rahmenbedingungen: WLAN, gesicherte Schnittstellen, eindeutiger Datenschutz, transparente Kommunikation sowie die Einbindung, Schulung und Unterstützung der Mitarbeiten sind unerlässlich für eine erfolgreiche Einführung der Systeme.
„Natürlich bedeutet so eine Umstellung erst zusätzlichen Aufwand, der sich aber lohnt, denn: Sind diese Rahmenbedingungen einmal geschaffen, kann die sprachgestützte Pflegedokumentation Pflegekräfte spürbar entlasten und die Qualität der Dokumentation verbessern“
Dr. Jeannette Winkelhage | Leitung Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege
Ausblick
Der vollständige Bericht zur Analyse sprachgestützter Pflegedokumentationssysteme ist auf der Website des Kompetenzzentrums veröffentlicht. Die Seite bietet neben übersichtlichen Informationen zur Technologie auch Checklisten als konkretes Unterstützungsmaterial.
Über das Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege
Das Kompetenzzentrum wurde 2024 beim GKV-Spitzenverband eingerichtet und hat den gesetzlichen Auftrag gute und wirksame digitale Lösungen für die Pflege in die Praxis zu bringen. Es informiert Pflegeeinrichtungen, Pflegekräfte und andere Leistungserbringende genau wie Pflegekassen, Pflegeberaterinnen und -berater sowie Pflegeverbände zum Umgang mit digitalen Technologien in der Pflege. Außerdem trägt es dazu bei, das Wissen und die Kompetenzen von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen im Umgang mit digitalen Technologien zu stärken. Bei der Entwicklung neuer digitaler Lösungen in der Pflege treibt es unter Berücksichtigung bereits vorliegender Ansätze die wissenschaftliche Evaluation und Nutzenbewertung digitaler Lösungen voran. Zudem unterstützt es die Qualitätssicherung bei der Nutzung digitaler Technologien in der Pflege, indem es Qualitätsstandards und -kriterien entwickelt.
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