Digitalisierung im Pflegesektor: Das sagt die Branche

977 Personen aus der Pflegebranche haben bundesweit im Frühjahr 2026 bewertet, welche digitalen Technologien bekannt sind, wie relevant sie eingeschätzt werden und was in der Praxis tatsächlich Priorität hat. Die Ergebnisse liefern Orientierung für ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen gleichermaßen. 

Die wichtigsten Befunde

Viele der Befragten sind als Einrichtungs- oder Pflegedienstleitung tätig. Knapp 80 Prozent der Teilnehmenden kommen aus der pflegerischen Versorgung, wobei ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen nahezu gleich stark vertreten sind. Bewertet wurden Bekanntheit, wahrgenommene Relevanz und konkrete Priorisierung von 13 digitalen Technologien.

Die Ergebnisse liefern damit wichtige Einblicke in die teilnehmenden Einrichtungen, sind aber nicht repräsentativ für die gesamte Pflegebranche.

 

  1. Top-Priorität: Pflege-Monitoring

    Mit 78,9 % landet das Vitaldaten- und Aktivitätsmonitoring bei der direkten Abwägung auf Rang 1. Die Digitale Dienst- und Tourenplanung folgt mit 74,8 %. Mögliche Erklärung: Einrichtungen suchen oft Unterstützung bei Tätigkeiten, die viel Planung benötigen und Personal binden.

  2. Höchste Relevanz: Pflegedokumentation

    Die Digitale Pflegedokumentation erreicht mit 4,51 von 5 Punkten die höchste Relevanzbewertung und ist nahezu allbekannt (96,9 %) - ein Zeichen für hohen Bedarf an digitaler Entlastung bei Dokumentationsanforderungen.

  3. Bekanntheitsspitze: Digitale Wundversorgung

    99,2 % der Befragten kennen die Digitale Wundversorgung und mit 4,24 von 5 Punkten erreicht sie zugleich eine hohe Relevanzbewertung. Ein Hinweis dafür, dass digitale Unterstützung bei einem etablierten und praxisnahen Versorgungsprozess auf breite Akzeptanz trifft.

  4. Robotische Logistik: Deutliche Zurückhaltung aus der Praxis

    Robotische Service- und Logistiksysteme sind zwar 88,1 % bekannt, werden aber nur von 2,8 % priorisiert. Mit 2,52 von 5 Punkten erhalten sie zudem die niedrigste Relevanzbewertung. Ein klares Signal dafür, dass autonome Logistikroboter aktuell keinen konkreten Bedarf in der Praxis treffen.

Ergebnis der Befragung Was die Branche priorisiert

Die Befragten wählten jeweils drei Technologien aus und ordneten sie nach ihrer praktischen Priorität. Die Übersicht zeigt, welche Lösungen Einrichtungen heute oder in naher Zukunft für ihren Arbeitsalltag am häufigsten in ihre Top 3 wählen.

Horizontales Balkendiagramm mit zwei Datenreihen zum Anteil der Top-3-Nennungen in Prozent

Was die Branche relevant findet

Die Befragten bewerteten jede Technologie einzeln auf einer Skala von 1 (gar keine Bedeutung) bis 5 (sehr hohe Bedeutung). Die Übersicht zeigt, welche Technologien in der Langzeitpflege grundsätzlich als besonders relevant eingeschätzt werden  – unabhängig davon, ob sie in der Praxis aktuell priorisiert werden.

Horizontales Balkendiagramm mit mittleren Relevanzwerten und roten Fehlerbalken, Werte zwischen 2,62 und 4,51

Das überraschendste Ergebnis

Pflege-Monitoring belegt bei der allgemeinen Relevanzbewertung nur Platz 7 – wird aber von 78,9 % der Befragten konkret priorisiert. Das zeigt: Bei der Priorisierung zählt nicht allein, wie bedeutsam eine Technologie grundsätzlich eingeschätzt wird, sondern auch, wie dringlich ihr Einsatz aktuell erscheint.

Für Ihre Einordnung Was ist für Ihre Einrichtung besonders relevant?

Liegen Ihre digitalen Prioritäten im Branchentrend – oder setzen Sie andere Schwerpunkte? Die Ergebnisse der bundesweiten Befragung bieten einen Vergleichsrahmen für ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen und zeigen, welche Technologien dort besonders häufig als relevant und wichtig eingeschätzt werden.

Insgesamt gehören Dienst- und Tourenplanung sowie Pflege-Monitoring bundesweit zu den am häufigsten priorisierten Technologien. Einrichtungen suchen vor allem Unterstützung bei personalintensiven Tätigkeiten wie der pflegerischen Beobachtung sowie bei der effizienteren Gestaltung planungsintensiver Prozesse.

Aber es gibt auch Unterschiede zwischen ambulanten Diensten und stationären Einrichtungen. Für diesen Vergleich wurden gezielt die Antworten der Beschäftigten aus ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen ausgewertet:

Ambulante Pflege
  • Teamkommunikation: Mit 4,23 von 5 Punkten sehr hoch bewertet – besonders wichtig für die Abstimmung unterwegs.
  • Dienst- und Tourenplanung: 82,8 % priorisieren sie, gegenüber 73,6 % in der stationären Pflege. Sie ist unverzichtbar für die Koordination dezentraler Einsätze.
  • Exoskelette: 31,5 % priorisieren sie, deutlich häufiger als in der stationären Pflege (18,1 %).
Stationäre Pflege
  • Sprachgestützte Pflegedokumentation: 18,4 % priorisieren sie – mehr als doppelt so häufig wie ambulante Dienste.
  • Sturzerkennung: Erreicht 3,81 von 5 Punkten (ambulant “nur” 3,25 Punkte) – digitale Unterstützung für ein zentrales stationäres Risiko.
  • Wundversorgung: 11,3 % priorisieren sie – gegenüber 1,7 % in der ambulanten Pflege.

Was vor einer Entscheidung zählt Diese Informationen braucht die Praxis

Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen: Die Befragten suchen vor allem Entscheidungsgrundlagen, nicht noch mehr allgemeine Technologieübersichten. Belastbare Aussagen zu Nutzen, Kosten und Umsetzung haben dabei für die Praxis den größten Wert.

Drei-Kreis-Infografik mit Prozentwerten zu Nutzen, Kosten/Wirtschaftlichkeit sowie Einführung und Implementierung

Technische Voraussetzungen und Infrastruktur folgen mit 41,9 %. Am Ende des Rankings liegen Erfahrungen und Praxisbeispiele (18,0 %) sowie Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen (13,5 %). Sie bleiben für die Umsetzung aber selbstverständlich relevant.

Auftrag & nächste Schritte Was die Branche jetzt braucht

Die Digitalisierung der Pflege gelingt nicht durch einzelne Projekte oder technische Lösungen allein. Für die weitere Entwicklung braucht es das Zusammenspiel aller Beteiligten. Nur wenn Erfahrungen aus der Pflege, wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Kompetenz und politische Verantwortung zusammenkommen, entstehen Lösungen, die den Pflegealltag wirklich unterstützen.

Auch das Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege übernimmt dabei eine wichtige Rolle. Es beobachtet Entwicklungen, wertet Erkenntnisse aus und bereitet Wissen verständlich für die Praxis auf. Mit Studien, Empfehlungen und Austauschformaten schafft es Orientierung und macht sichtbar, unter welchen Bedingungen digitale Lösungen in der Pflege funktionieren.

Ergebnisbericht zum Herunterladen

  • Digitale Technologien in der Langzeitpflege: Ergebnisse einer bundesweiten Stakeholderbefragung (März bis Mai 2026)

    Welche digitalen Technologien sind in der Langzeitpflege bekannt und relevant? Eine webbasierte Querschnittsbefragung mit 977 Teilnehmenden aus allen 16 Bundesländern zeigt, was Pflegeeinrichtungen priorisieren und wissen möchten.

    PDF - Herunterladen 917 KB

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